amtlicher Einbruch

Diesen Einsatzort zu finden ist keine Kunst. Das Blaulicht der Feuerwehr spiegelt sich schon hunderte Meter weit in den Fenstern, bevor wir eintreffen.

Ein junger Mann hat  gegen 04 Uhr nachts den Rettungsdienst gerufen und angegeben, jeden Moment bewusstlos zusammenzubrechen. In der Wohnung brennt Licht. Sonst rührt sich nichts. Der Mieter ist uns kein Unbekannter und was unsere Systeme über ihn preisgeben, macht ihn erstmal nicht sympathisch. In der Vergangenheit ist er eher negativ aufgefallen und steckt deshalb deutlich in der Kategorie „schwieriger Kunde“. Diesmal scheint er Hilfe zu brauchen und da er nicht öffnet, tun wir’s.  Weiterlesen „amtlicher Einbruch“

Hirsche und Hühnchen

Ein halbes Jahr war hier Stille. Aber aufgegeben habe ich diese Seite nicht. Dass mal mehr, mal weniger passiert, war schon immer so und wird wohl auch so bleiben.

Ich starte ganz unaufgeregt mit meinem Lieblingsanruf dieser Nachtdienstwoche. Eigentlich hatte ich mich gerade google Maps hingegeben, um mit einer Kollegin, eine Übersichtskarte über die letzten Einbrüche des Nachbardorfs und mögliche Fluchtwege und Aufenthaltsorte der Täter zu basteln, als unsere Bastelstunde von Frau S. unterbrochen wird.

Während ich mir den Hörer schnappe, wärmt sich die Kollegin ihr Essen auf. Reis mit Hühnchen. Riecht verlockend. Aber ich habe ja zu tun: „Die Polizei, Guten Morgen. Wie kann ich helfen?“ Weiterlesen „Hirsche und Hühnchen“

Affen?

Mal wieder ist ein Nachtdienst zu Ende. Eine angenehme Nacht war das. Sommerliches Wetter, wenige Einsätze – vor allem wenig zu schreiben –  durchweg freundliche Bürger und nette Kollegen auf dem Auto. Auf dem Heimweg setzt neben der Müdigkeit auch noch der Frühstückshunger ein. Was liegt also näher als ein kurzer Stopp bei meinem Stammfrühstücksimbiss. Mir ist ein Rätsel, wie die Betreiberin es jeden Morgen schafft, um 04 Uhr mit frischen Brötchen im Kofferraum den Laden aufzuschließen. Ich ziehe sowieso meinen Hut vor den Menschen, die den Mut besitzen, sich mit einem kleinen Geschäft selbstständig zu machen. Das Ganze auch noch zu solchen unfassbaren Uhrzeiten. Ich könnte das nicht.

Kurz vor 6 parke ich vor dem kleinen Laden und latsche in ausgebuffter Jogginghose schon im Halbschlaf an die Theke. „Ein Spiegeleibrötchen bitte!“ – „Also wie immer!“ lacht die freundliche Verkäuferin und greift in die Auslage: „Wir haben uns ja lange nicht gesehen. Hatten Sie Nachtschicht?“ Ich bejahe. Weiterlesen „Affen?“

Im Hintergrund

Unser Beruf hat viele Facetten. Einige davon habe ich in den letzten Jahren hier vorzustellen versucht. Oft ist es stressig, ab und zu spannend und manchmal auch gefährlich. Meistens geht es um das ganz normale Leben, manchmal um den Tod. Mir macht es nach wie vor Spaß, sich all dem zu stellen. Ich mag die Unwägbarkeiten und möchte nicht mit einem reinen Schreibtischjob tauschen.

In der letzten Spätdienstwoche zum Beispiel habe ich einigen Falschparkern Geld aus der Tasche gezogen, Unfälle aufgenommen, Drogen sichergestellt, war beim Schießtraining und habe reichlich Papierkram erledigt. Rein statistisch ist wahrscheinlich auch die kommende Woche ähnlich unspektakulär. Vielleicht fangen wir Straftäter, vielleicht rufen Menschen an und stellen seltsame Fragen, vielleicht weisen wir Verwirrte in die Psychiatrie ein und schicken Besoffene Kneipengäste nach Hause. Mit etwas Pech müssen wir sie dazu zwingen, sie zu Boden bringen oder sonst wie Hand anlegen.

Ich habe in dieser Woche auch einer Mutter mitgeteilt, dass ihr Mitte 30jähriger Sohn sich totgesoffen hat. Weiterlesen „Im Hintergrund“

Rummel

Die Kirmes ist im Dorf.

Zu den ganz normal Einsätzen, die uns Tag für Tag beschäftigen, gesellen sich diese Woche auch noch ein paar Exoten. So meldete am Tag des großen Kirmes-Umzuges zum Beispiel ein Kollege über Funk, dass gegenüber des Supermarktes gerade eine Ritterburg gegen ein geparktes Auto gefahren sei. Ritter kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.  Weiterlesen „Rummel“

Devon

„Och nööö!“ entfährt es dem Kollegen, als er im Supermarkt die Tür zum Detektivbüro aufstößt. Drinnen sitzt, mit gesenktem Blondschopf verstohlen an seiner Bauchtasche herum knibbelnd, Devon. Weiterlesen „Devon“

Vermisst

„Der Wanderweg hinterm Windrad ist ebenfalls negativ. Wir machen erstmal weiter im Rahmen der Streife!“ quäkt es aus dem Funk. Der Kollege und ich schaue einander ratlos an. „Wo der wohl ist?“ frage ich halblaut. „Hm. Keine Ahnung!“  Wir dümpeln durch unseren Fahndungsbereich und überlegen. Jeden Dienstag (und deshalb auch heute) geht Opi also lange spazieren. Er stellt den Mercedes auf eine Anhöhe ab, oder hinter dem Windrad, und latscht los. Die immer gleiche Runde. Ihr Mann brauche die Ruhe der Natur, sagt die Ehefrau. „Das hat er schon immer gemacht! Er ist einfach gerne alleine unterwegs. Vielleicht ist das das Geheimnis von 60 Jahren glücklicher Ehe!“ Jetzt ist er seit Stunden überfällig. Arme Omi. Auf dem Foto, das sie uns mitgegeben hat, lachen beide glücklich in die Kamera. Und jetzt ist Opi wie vom Erdboden verschluckt? Kann doch nicht wahr sein.  Weiterlesen „Vermisst“