Respekt

Es gibt schon freundliche Menschen…

Zum Beispiel den hier:

Wir stehen bei einer Verkehrskontrolle in der Stadt neben unserem Kunden.

Auf der anderen Straßenseite geht ein älterer Mann vorbei und erklärt seinem Hund mit ernstem Blick und einem Fingerzeig in unsere Richtung: „Guck ma – GANZ fiese Menschen sind das! GANZ fiese! Geh ma un‘ piss die ma am Bein!“

Glücklicherweise musste der Fifi wohl gerade nicht so dringend. Ich hätte mit dem Herrchen auch nicht diskutieren wollen.

Unfassbar.

Angeber

Zum Glück ist der Streifenwagen samt Blaulicht hoch genug und ich kann mich im Falle des akuten Lachanfalls bequem dahinter verstecken… Zum Beispiel, wenn ich nachts um drei (Wir merken uns fleißig die Uhrzeit; vergessliche Leser machen sich bitte Notizen) einen Mann Anfang 40 angehalten habe und sich folgende Szene abspielt:

Der äußerst gepflegte Mann steigt aus seinem weißen BMW Kombi. Der Kollege spricht ihn an und irgendwie stellt sich heraus, dass er „früher“ mal mit Drogen zu tun hatte. Das macht uns natürlich neugierig und unser Kunde ist gern bereit, vor Ort einen Schnelltest zu machen. Dazu pinkelt er (nach einigen Minuten klappt es dann auch) in einen Becher, wir träufeln ein wenig Urin auf einen Teststreifen und in Null Komma Nix ist klar: Heute darf er weiterfahren.

Nachdem er sich mit dem Pinkeln ein wenig schwer getan hat und wir die Wartezeit mit einem nicht ganz so erfolgreichen Konzentrationstest überbrückt haben ist er sichtlich froh über das Testergebnis. Soooo lange scheint der letzte Konsum wohl doch nicht her zu sein. Interessiert schaut er sich den Test an und fragt uns detailliert aus, was denn die vielen kleinen Linien bedeuten, die auf dem Streifen erschienen sind. Am Ende möchte er den Test sogar mit nach Hause nehmen. „Können Sie machen, ist ja Ihr Urin“ sagt der Kollege mit einem Zwinkern und drückt ihm das Stückchen Kunststoff in die Hand. Der Kunde grinst zufrieden und stößt mich freundschaftlich in die Seite: „Soll ich Ihnen mal was sagen?!“ – „Hm?“ – „Wenn ich ganz ehrlich bin… [sein Blick wandert auf die Uhr. Kommt jetzt noch das große Drogengeständnis?] „Ich habe heute seit 23:00 Uhr die ganze Zeit Sex gehabt!“ Äh. Was sagt man da? Gratuliert man? Oder fragt man vorsichtig, warum er dann jetzt auf dem Weg nach Hause ist?  Was wirklich Passendes will mir nicht einfallen.

 „Ja: Hut ab! Das ist aber kein Schwangerschaftstest gewesen!“ versuche ich irgendwie zu begründen, dass ich gleich fürchterlich lachen werde, schnappe mir den Test noch mal und zeige auf die Streifen: „Obwohl… doch: Es wird ein Mädchen!“ Jetzt aber nix wie hinters Auto. Losprusten.

Aber ehrlich

Ein frohes neues Jahr wünsche ich euch!

Ich hoffe ihr habt lecker gegessen, das Raclette wieder einigermaßen sauber gekriegt, das Konfetti aus dem Wohnzimmerteppich gepult, ein paar Raketen gezündet, dabei nicht Nachbars Hecke in Schutt und Asche gelegt und bestenfalls sogar nette Menschen getroffen – also nicht mit den Raketen… ach, ihr wisst schon… was man eben so macht, bevor man einen neuen Kalender anfängt. Ich hatte Nachtdienst an Silvester, habe auch nette Menschen getroffen und weniger nette, aber keine, von denen es sich groß zu berichten lohnt. Gestern allerdings musste ich bei einer nächtlichen Begegnung in einer Verkehrskontrolle (endlich) mal wieder laut loslachen.  Und das kam so:

Gegen 01.00 Uhr haben zwei Kollegen ein Auto angehalten, dessen Fahrerin verdächtig entspannt wirkte. Sie kicherte und scherzte wie verrückt und redete wie ein Wasserfall. Ihre prächtige Partylaune war leicht zu erklären, hielt man seine Nase einmal in den Innenraum ihres Kleinwagens. Ein süßlicher Marihuana-Geruch hatte sich ausgebreitet und sie und ihr Mitfahrer waren ganz schön breit. Auch wenn sie so gar keine Lust auf die Konzentrationstests vor Ort hatte war den Kollegen klar: Im Straßenverkehr hat Madame nichts zu suchen. Es stand ihr also eine Fahrt zur Wache bevor und ich hatte die Ehre, die Kollegen bei der Kontrolle zu unterstützen und die Dame vor dem Transport zu durchsuchen. Zugeben wollte sie nicht, dass sie am Abend gekifft hatte. „Das ist schon mindestens drei Wochen her“ – schätzte sie. Aber schwindeln war ja auch ihr gutes Recht und die Wahrheit würde sich ja spätestens mit dem Ergebnis der Blutprobe auch gerichtsverwertbar herausstellen. Bevor sie sich in den Streifenwagen setzte kam die Frage auf, die immer aufkommt, wenn wir jemanden mitnehmen. „Wie komme ich denn später wieder zu meinem Auto? Oder nach Hause? Fahren Sie mich zurück?“ – „Wenn der Test negativ ist, dann können wir Sie bringen“ – versprach der Kollege vollmundig (und in dem Wissen, dass ein negativer Test nur durch ein Wunder oder einen sonstigen Fehler in der Matrix zustande kommen würde).

„Na gut, dann rufe ich eben meine Mutter an!“ schlussfolgerte unsere Probandin. Ich habe mich lange nicht mehr so über ein ungewolltes Geständnis amüsiert. Und sie hat es noch nicht einmal bemerkt. In diesem Sinne: