Richard

Kccchhhhrrrt… ein lautes Kratzen ist zu hören, als die Kollegin und ich die Überreste des Motorrollers von der Fahrbahn auf den Gehweg wuckern. „Mach nix kaputt!“ scherzt sie. Ich würde lächeln, kann aber gerade nicht, der Schrotthaufen muss die Gehwegkante hoch.  Weiterlesen „Richard“

20 Minuten

„Wie alt sind Sie eigentlich?“ möchte der Mann am Telefon wissen, vermutlich um einzuschätzen, ob ich überhaupt schon etwas über das Leben wissen kann. Wir sprechen jetzt seit gut fünf Minuten miteinander. Außergewöhnlich lange für einen Anruf auf der Wache. „Mitte 30.“ entgegne ich. Er hmmt, als ließe er diese Antwort gelten. Mit dem Wort Intelligenzbestie wäre mein Anrufer sicher nur recht vage beschrieben. Er wirkt eher ein bisschen schlicht. Aber seine Sorgen sind echt, er ist sehr höflich und ich habe Zeit. Weshalb sollte ich ihn abwimmeln? Weiterlesen „20 Minuten“

Gyrosnotstand

Feiertag. 18h Uhr. Das Dorf hat offenbar soeben kollektiv Hunger bekommen und nur einer der örtlichen Imbissbetreiber ist geschäftstüchtig auf diesen Umstand eingestellt und clever genug, seine Klitsche zu öffnen. Diesem für ihn äußerst glücklichen Zufall seines heutigen Gyros-, Pommes- und Pizzamonopols ist nicht nur die Schlange vor der Theke geschuldet, sondern auch die gefechtsmäßige Parksituation auf der Straße. Oder besser: dem Gehweg. Weiterlesen „Gyrosnotstand“

Amy kämpft sich durch

Amy schläft. Die rosa Bettdecke hebt und senkt sich regelmäßig. Unser Gepolter und das Licht unserer Taschenlampen haben sie nicht geweckt. „Ich möchte sichergehen, dass sie sich nicht schlafend stellt.“ flüstere ich der Kollegin am Fußende des Hochbettes zu und schleiche zu Amy. „Die kriegt den Schock ihres Lebens… mach vorsichtig.“ ermahnt mich J. . Ich bemühe mich: Weiterlesen „Amy kämpft sich durch“

Warmbadetag

Wer bei uns sein Schülerpraktikum macht, muss mit Allem rechnen. Leider tut das nicht jeder. Besonders die letzten Praktikantinnen fielen uns zumindest in den ersten Tagen durch eine sehr interessante Kleidungswahl auf. Dass Ballerinas und ein helles, nicht zuzuknöpfendes Mäntelchen mit aufgepuscheltem Polyesterfellkragen über dem bauchfreien Top vielleicht bei einer Verkehrsregelung im Nieselregen eher ungeeignet sind, lernen die jungen Damen dann oft durch leidvolle Erfahrung. Aber am nächsten Tag klappt’s dann meist auch mit den festen Schuhen und der Regenjacke. Weiterlesen „Warmbadetag“

Alles zu seiner Zeit

„Huch, jetzt ist mir schon wieder der Kuli runtergefallen!“ Die Frau um die 50 bückt sich und verschwindet kurz hinter der Wachtheke. „Oh. Und jetzt das Portmonee!“ 

Unruhig wirkt sie, dabei wollen wir gar nichts von ihr; im Gegenteil – sie ist hier auf der Wache erschienen um eine für uns eher unspektakuläre Anzeige zu erstatten. Vermutlich braucht sie ein Aktenzeichen für die Versicherung. Ihr Auto wurde letzte Nacht beschädigt. Das führt sie jetzt vor und je länger es dauert, desto mehr Kollegen fällt ihre Unruhe auf. Weiterlesen „Alles zu seiner Zeit“

amtlicher Einbruch

Diesen Einsatzort zu finden ist keine Kunst. Das Blaulicht der Feuerwehr spiegelt sich schon hunderte Meter weit in den Fenstern, bevor wir eintreffen.

Ein junger Mann hat  gegen 04 Uhr nachts den Rettungsdienst gerufen und angegeben, jeden Moment bewusstlos zusammenzubrechen. In der Wohnung brennt Licht. Sonst rührt sich nichts. Der Mieter ist uns kein Unbekannter und was unsere Systeme über ihn preisgeben, macht ihn erstmal nicht sympathisch. In der Vergangenheit ist er eher negativ aufgefallen und steckt deshalb deutlich in der Kategorie „schwieriger Kunde“. Diesmal scheint er Hilfe zu brauchen und da er nicht öffnet, tun wir’s.  Weiterlesen „amtlicher Einbruch“