Joey

Dass eine kleine Pause entstanden ist dürfte den meisten von euch nicht entgangen sein.

Umso mehr freue ich mich, dass es jetzt weitergehen kann. In der Zwischenzeit sind sogar einige kleine Geschichten entstanden, die ich nach und nach veröffentlichen möchte.

Den Anfang machen ein sehr keiner, sehr zufrieden wirkender Kunde und sein sehr großer und sein Vater.„Tataaa! ruft der blonde Junge und stapelt Pylonen aufeinander, bis sie ihm fast bis zur Nasenspitze reichen. „Tataaa!“. Dazu strahlt er über beide Ohren. Im Gegensatz zu seinen Eltern ist der Kurze schon hellwach. Irgendwann heute Morgen muss er zuhause ausgebüxt sein. Bis auf: „Tataaa!“, „Oh oh!“ und „Ciao!“ konnten wir ihm noch nicht viel entlocken. Seinen Namen hat er uns zum Beispiel nicht verraten, aber mit viel Geduld und etwas Glück hat der Kollege per Computer rausgefunden, wo der kleine Ganove hingehört.

Zwei Kolleginnen haben Joeys Eltern raus geklingelt. Gleich kommt Papa ihn abholen. Wir haben Sonntag. Dass er fehlte war den beiden Langschläfern noch gar nicht aufgefallen. Aber es ist ja zum Glück noch mal gut gegangen und wird wohl hoffentlich nicht nicht einmal vorkommen.

Wir warten also auf Papa und das große Wiedersehens-Hallo. Dann können wir die Hütchen wieder in den Schrank räumen. Denn so süß der Knirps auch sein mag: in seinem Pyjama gehört er am Sonntagmorgen auf heimische Sofa und nicht auf eine Polizeiwache.

Just als wir seinen Vater auf den Hof der Wache kommen sehen, werden zwei Kolleginnen von der Leitstelle noch einmal zu ihm nach Hause geschickt. Vattern soll, bevor er sich auf den Weg gemacht hat, über Sohnemanns Ausflug dermaßen auf 180 gewesen sein, dass er Joeys Mutter kräftig auf die Nase gehauen haben soll. Sie sei Schuld an Joeys heimlichem Ausflug, meint er. Sie hätte doch wach werden müssen. Sie ist doch die Mutter. Hm… und… ähm… er?

Ob er dazu etwas sagen möchte, fragen wir ihn, als er schließlich hereinkommt. Und müssen ihm dann erklären, dass er den Kleinen natürlich erst mitnehmen kann, wenn die Sache mit der  im Raum stehenden Häuslichen Gewalt geklärt ist. Dass wir eine Anzeige aufnehmen steht schon fest, aber noch wissen wir nicht, ob der Vater heute zurück in die Wohnung darf oder wir die Eltern räumlich trennen müssen. Wir hätten Joeys Papa gerne die Chance geben, den Vorfall aus seiner Sicht zu beschreiben. Das allerdings scheitert daran, dass er heute nicht reden, sondern nur schreien zu können scheint. Der letzte Satz, den wir uns noch anhören, bevor er rausfliegt, ist eine derart ekelhafte Beleidigung seiner Frau, dass ich sie hier nicht wiedergeben werde.

Joey habe ich zum Glück früh genug in einen Nebenraum gebracht. Als Papa weg und auf der Wache wieder ein gepflegter Tonfall eingekehrt ist stapelt er zufrieden weiter unsere Pylonen, bis seine Mama ihn gleich einsammelt.

„Hoffentlich wird der nicht mal Hütchenspieler…“ zwinkere ich: „Und hoffentlich kriegen die ihren Krach Zuhause in den Griff.“

„Tataaa!“ ruft Joey, und strahlt noch immer.

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Kleiner Nachtrag: Die Geschichte liegt nun schon einige Zeit zurück. Seitdem haben wir mit Joeys Familie nicht mehr zu tun gehabt. Ich deute das als gutes Zeichen.

Ein Gedanke zu “Joey

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