Sommer im Park

Der Sommer ist da. Die Kollegin stellt den Streifenwagen im Schatten eines Baumes ab, bevor wir in den Park latschen. Auf der frisch gemähten Wiese sitzen viele kleine Gruppen von grillenden und schlemmenden Menschen in der Sonne. Überall spielen Kinder.

Ein Anwohner hat uns gerufen. Er befürchtet, dass die Menschen am Ende des Tages einfach ihren Abfall hinterlassen. In den letzten Tagen muss die Rasenfläche schon einer Müllkippe geglichen haben. Die Mülleimer sind der Menge an Parkbesuchern ganz offensichtlich auch nicht gewachsen. Einige der Familien sollen ihre Buffets auf den Tischtennisplatten ausgebreitet haben. Der Anrufer erwartet wohl, dass wir den Park räumen. Mindestens. Immerhin bestünde ja die theoretische Möglichkeit, dass eine Horde ambitionierter Tischtennisspieler gerade jetzt hier ihr Trainingslager einzurichten gedenkt und der Gewinn der nächsten Parktischtennismeisterschaft nun durch eine Gruppe schlemmender Parkbesucher vereitelt wird. Nicht auszudenken.

Wir sprechen die erste Familie an. Das klapprige Grillgestell hat Mühe, die Mengen an Fleisch und Gemüse für allemann zu tragen. Aber irgendwie scheint es zu passen und riecht noch dazu wirklich fantastisch. Neugierig erkundige ich mich, was denn da auf dem Rost liege. Hier wird syrisch gegrillt, erfahre ich, und sofort hält der Bratmaxe mir einen Teller mit Hühnchen hin. Zum Glück habe ich gerade keinen Hunger, sonst könnte ich der Einladung, etwas zu probieren, nicht widerstehen.

Inzwischen umringt uns eine wird durcheinander plappernde Horde Kinder. Ohne jede Berührungsangst zupfen sie an der Uniform und wollen die Ausrüstung an unserem Gürtel ausprobieren. Auf unserer Fußstreife von Picknickdecke zu Picknickdecke darf also jeder mal die Handschellen, Taschenlampe und Einmalhandschuhe aus der Nähe angucken, und während die Kollegin eine kleine Vorführung von Blocktechniken mit dem Schlagstock gibt, erkläre ich der nächsten Grillrunde unser Anliegen. Ich war jetzt bei Syrern, Irakern, Afghanen und einer türkischstämmigen Familie. Multikulti auf der grünen Wiese. Überall wird mir angeboten,  etwas zu probieren. Jeder ist stolz auf seine Heimatküche und was da an Geflügel,  Teigfladen, Hummus und Soßen auf den Tellern liegt, sieht wirklich verlockend aus. Heute scheinen hier größtenteils vernünftige Menschen zu sitzen. Die meisten haben große Mülltüten dabei und trotz ein paar herumliegender Pappbecher und einer davonfliegenden Chipstüte kann ich wirklich nicht erkennen, dass hier gerade der Park den Bach runter ginge. Ich schicke die Kiddies zum Becher Einsammeln und hoffe, dass jeder heute Abend seinen Kram mit nach Hause nimmt.

Langsam müssen wir allerdings wirklich mal weiter. Aber bevor wir zurück zum Streifenwagen schlendern, überprüfen wir dann doch lieber noch mal, ob wir alle unsere Handfesseln, Handschuhe und Taschenlampen wiederbekommen haben, die unsere Mini-Kollegen gerade so spannend fanden. Vollständig ausgerüstet und gut gelaunt beenden wir unsere Fußstreife.

Nur dem Wunsch unseres Anrufers konnten wir nicht entsprechen. Wer neben einem Park mit Grillplätzen wohnt, der muss Grillgeruch aushalten. Und wenn die Parkbesucher die Tischtennisplatten zum Abstellen ihres Grillgutes nutzen, dann halte ich auch das für vertretbar. Vermutlich hätten sie unseren Anrufer sogar mal probieren lassen und ihm die Vorzüge ihrer Heimatküchen erklärt.

Solange er allerdings die Polizei ruft, wenn einer sein Fladenbrot auf die Tischtennisplatte legt, und solange er sich von auf Grillplätzen grillenden Menschen beschwert, so lange wird das wohl nix.

Schade.

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