Ehrensache

Feierabend. Ich schließe meine Waffe ein, werfe die Uniform in den Spind und düse nach Hause. Der Hund muss noch raus, dann hopse ich unter die Dusche und gehe schlafen. Vielleicht surfe ich noch ein wenig durch’s Internet, chatte, kaufe sinnlosen Quatsch bei Amazon oder klicke mich durch die TV-Mediatheken, um von dem Spätdiensttelefongebimmel runter zu kommen. Dann aber haue ich mich auf’s Ohr. Draußen ist es mucksmäuschenstill. Dorf halt. Nach dem Nachtdienst höre ich bei offenem Fenster schonmal die Kinder der nahen Grundschule, wie sie in der großen Pause den Hof entern. Aber ansonsten stört hier nichts meine Nachtruhe. Herrlich. Naja, es sei denn, der Hund schnarcht. Weiterlesen „Ehrensache“

Nachbarschaft

Er sei der neue Nachbar, sagt der gepflegt aussehende Mann, und geht schnurstracks in den Hausflur. Klar, man kenne einander noch nicht, aber er stecke in ernsten Schwierigkeiten, und da hoffe er auf Nachbarschaftshilfe. Im Umzugsstress sei ihm vorhin die Haustür von außen zugeschlagen. Seiner Frau und ihm sei schlagartig klar geworden, dass sie kein Geld für einen Schlüsseldienst hatten; da sei ihm nichts anderes eingefallen, als bei den neuen Nachbarn zu klingeln und sich 80.- Euro zu borgen. Der wolle ja erst Geld sehen, bevor er ihm die Türe öffne. So käme er dann sein Portmonee und zahle  natürlich in Null Komma nichts die 80.- Euro zurück. Ehrensache. Laut und bestimmend trägt der Mann sein Problem vor, und steckt die Nachbarin gleich an, mit seiner Hektik. Sie fühlt sich unter Druck gesetzt. Wer möchte schon unbarmherzig sein, wenn der neue Nachbar sich vorstellt und gleich in echten Schwierigkeiten steckt? Die freundliche Frau in unserem Beispiel nicht. Sie hört allerdings trotzdem nicht auf die ach so simpel klingende Erklärung irgendeines dahergelaufenen Mannes. Weiterlesen „Nachbarschaft“

Durch die Nacht

Karneval liegt hinter uns. Inzwischen sollte jeder Jeck aus dem Rausch erwacht und in der Fastenzeit angekommen sein. Und auch unsere Azubi-Kollegen hat der Alltag wieder. Tausend Auszubildende, so las man in der Presse, sollten an den besonders einsatzbelasteten, tollen Tagen auf der Straße sein und für die Sicherheit der Karnevalisten sorgen. Hier auf dem Dorf allerdings, ein gutes Stündchen entfernt vom Rheinland, waren wir Polizisten mal wieder die einzigen Verkleideten. Was taten also unsere Azubis, während in Düsseldorf der Umzug und in Köln das Unwetter ausfiel? Sie nahmen auf dem Beifahrersitz des Streifenwagens Platz und kamen mit auf Streife. In unserem Fall ging es in einen ganz normalen Nachtdienst. Dann lassen wir uns mal überraschen, was die Nacht so bringt. Weiterlesen „Durch die Nacht“