Kaufhaus-Cop

„Könnt ihr den Einsatz für uns fahren? Wir würden gern eben essen.“ Dass die Menschen aber auch immer gerade dann ihre Autos gegeneinander dengeln müssen, wenn wir beim Chinesen Hühnchen Süß Sauer geordert haben. Klar nehmen die Kollegen uns den kleinen Parkrempler ab, ich parke den Streifenwagen vor dem Supermarkt. Bisschen blöd, dass der Chinaimbiss unseres geringsten Misstrauens sich an einer Art kleinem Einkaufszentrum befindet und man auf dem Weg zum Glutamat an einem Zeitschriftenladen, einem Frisör, einem Schlüsseldienst, einer Apotheke und einem Reisebüro vorbei latschen muss. Ich mag das in Uniform nicht. Die Leute gucken, als würde man in Ruhe ’n Ründchen shoppen und müsste sich dafür rechtfertigten, dabei ist alles vorbestellt und wartet, in Styroporschälchen gequetscht, darauf, von uns abgeholt zu werden. Und was essen müssen wir ja wohl. Ich verhungere. Also, fast. Wenn wir gleich die heiße Ware an Bord haben, bin ich entspannt. Dann kann von mir aus auch noch ’n Einsatz kommen. Den Kram vom Chinesen bleibt, im Gegensatz zur Currywurst- Pommes zum Beispiel,  in der Verpackung ewig warm und lässt sich, im ungünstigsten Fall, sogar wieder aufwärmen. Aber wir wollen ja hoffen, dass uns das erspart bleibt und wir schon vor dem nächsten Einsatz fürstlich speisen.

Der Kollege stratzt also rein, ich warte auf dem Supermarktparkplatz und hypnotisiere den Funk. Jetzt bitte nix Dringendes. Och nö, da quäkts auch schon aus dem Lautsprecher. Der Kollege flüstert: „Komm ma‘ schnell rein! Hier sind grad‘ LaDis zugange!“ Ladendiebe? Aber doch nicht jetzt. Hooo…

Der Kollege hockt im Reisebüro hinter einem TUI-Pappaufsteller und winkt mir zu, ich soll zu ihm kommen. Ich quetsche mich neben unser Abendessen und lasse mich einweisen. Eine Gruppe junger Männer ist gerade dabei, die Vitrine mit den Rasierklingen zu knacken. Die Dinger sind nicht nur leicht am Körper zu verstecken, sie bringen auch noch ’n guten Kurs beim Weiterverkauf und sind leicht zu versetzen. Einer frickelt mit ’nem kleinen Werkzeug an der Vitrine, einer deckt ihn ab, ein dritter wartet darauf die Beute zu übernehmen. Noch sind sie gut beschäftigt und ahnen nicht, dass der Detektiv sie per Videokamera schon lange aufm Schirm hat. Als dann der Kollege auf den Kameras im Kassenbereich durchs Bild lief, witterte der Detektiv seine Chance und bat spontan um Hilfe. Und da kauern wir also jetzt neben dem Bratreis und warten, bis unsere Kundschaft sich auf den Weg durch die Kasse macht. Die Strecke zum Ausgang, die mich vor 5 Minuten noch tierisch nervte, spielt uns jetzt in die Karten, denn auch unsere neue Kundschaft muss hier gleich lang und hat keine Chance, sich in ihrer Überzahl in verschiedene Richtungen aus dem Staub zu machen. Wir müssen also bloß hier hinter der Ecke warten und spätestens wenn unser Essen kalt ist, haben wir sie im Sack.

Ein knappes halbes Stündchen später sitzen wir mit vier Festgenommenen auf der Wache um unseren Fang der KriPo zu übergeben.

Ich habe Hunger. Aber ihr ahnt es: Im Reisebüro stehen zwei Portionen Hühnchen Süß Sauer hinter einem TUI-Pappaufsteller. Der Laden hat inzwischen Feierabend gemacht.

Was die Putzfrau wohl morgen denkt?

4 Gedanken zu “Kaufhaus-Cop

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