Selfie

Wir schnappen mit Sicherheit nicht nur die Trottel. Aber bei denen ist es manchmal eben besonders einfach. Erst Recht auf’m Dorf. Wie in diesem schon ein paar Jahre zurückliegenden Fall, über den ich mich noch heute herrlich amüsieren kann.

„Guck mal, kennst du den?“ Der Kollege von der Kripo ist rüber zur Wache gekommen und hat ein paar ausgedruckte Fotos dabei. „Der hat im Supermarkt das Fernglas hier geklaut…“ Auf dem schwarzweißen Standbild aus dem Überwachungsvideos des Supermarktes sieht man einen jungen Mann mit einem übertrieben groß aussehenden Fernglas in der Hand. Wie zur Hölle hat er das Riesenteil denn an der Kasse vorbei geschmuggelt? Egal. Der Kollege blättert weiter. Eine Nahaufnahme: „Hier, da sieht man das Gesicht besser!“ Ich bin nicht ganz sicher, meine aber, mit dem Typen schon zu tun gehabt zu haben. „Waaarte, warte, warte. Das Gesicht kenne ich! Ist das nicht der *****?“ denke ich halblaut und tippe seinen Namen in den Computer. Mist. Im Fahndungsprogramm ist er noch nicht mit Bild. So leicht geben wir natürlich nicht auf. „Ha! Guck ma‘ – der is‘ bei Facebook. Das ist doch der Typ da auf dem Profilbild…“ Ich klicke auf das Foto, es lädt und wir starren gespannt den Bildschirm an. Der Kollege hält seinen Ausdruck neben den Bildschirm. Treffer. Auf dem obercoolen Selfie glotzt uns tatsächlich der Typ an, der bei dem Diebstahl gefilmt wurde. Er sitzt, offenbar in einem Jugendzimmer, auf einem Bürostuhl vor einem Schreibtisch. Im Hintergrund herrscht Chaos. Papierkram, leere Colaflaschen, ein Playstation-Controler… und ein auffallend großes Fernglas.

„Ich glaub, ich rufe dann mal den Staatsanwalt an.“ murmelt der Kollege und geht wieder zurück in sein Büro.

Wenn unser Job doch bloß immer so einfach wäre…

5 Gedanken zu “Selfie

  1. Schön zu hören, dass man auch bei den Behörden im 21. Jahrhundert angekommen ist. Wenn wir vor einigen Jahren der Meinung waren, dass ein Grundwehrdienstleistender sich jetzt genug von seinem anstrengenden Dienst erholt hat und ihn davon zu überzeugen hatten, dass es langsam wieder Zeit für seine Rückkehr ist, dann war es per Dienstanweisung verboten, seinen StudiVZ- oder MeinVZ-Account (Hihi, weißt du noch?) anzuzapfen. Hin und wieder kam es jedoch vor, dass plötzlich einer der Kollegen aus sicherer Quelle wusste wo sich derjenige aufhält. Magic!

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  2. Elfahder

    Ergoogeln oder „erFacebooken“ ist doch höchstrichterlich erlaubt, solange es nicht um geschlossene Bereiche geht. Was die Leute öffentlich einstellen, kann auch jeder (also auch die Polizei) sehen. Öffentlich zugängliche Informationen können also problemlos als Beweismittel dienen. 🙂

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  3. Mich erschreckt einfach nur die Dummheit der Leute. Posten ihren letzten Stuhlgang in den einschlägigen Medien und wundern sich wenn sie dann am Arsch gepackt werden.
    Manchmal möchte ich mich selber geißeln bei solchen „Mitbürgern“ 😉

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