Von rosa Briefen und Weihnachtsgeschenken

Ich hoffe, ihr seid gut in das verschneite Wochenende gestartet. Ich habe den Vormittag im Frühdienst verbracht und bin genau zweimal für die Kollegin ans Telefon gegangen. Und was soll ich sagen: zwei echt interessante Menschen hatte ich da an der Strippe.

Zuerst habe ich es mit einer jungen Dame zu tun: „Hallo, ich muss mal die Frau sprechen, die mir den Brief geschickt hat!“ – „Was für ein Brief ist das denn?“ – „Der rosa Brief!“ Oha. Heute gibt es zwar Halbjahreszeugnisse und vermutlich auch eine Menge blauer Briefe in NRW, aber ein rosa Brief ist noch eine ganz andere Liga: ein Haftbefehl! „Ohhh. Wenn die Briefe rosa sind, dann sollte man sich wirklich langsam mal kümmern… Was steht denn drin, in dem Brief?“ hake ich nach, bevor ich gleich mal checke, wo Madame sich wohl aufhält. Denn wer so einen Brief bekommt, der muss entweder Geld bezahlen oder in Haft. Sie bleibt locker, es geht, sagt sie, nur um 45.- Euro, und sie hat die Kontodaten und das Kassenzeichen verschlampt. Die Kollegin wird aushelfen können und sobald die Kohle da ist, hat sich der rosa Brief dann auch erledigt. „Okay, ich weiß, wer hier die rosa Briefe schreibt, ich verbinde Sie mal mit der Frau ####!“ 

Zweiter Anruf. Der Mann am anderen Ende klingt, als hätte er seinen 150. Geburtstag schon lange hinter sich. Völkerverbindend begrüßte er mich mit einem überfreundlichen: „Grüß Sie Gott und in schā’a llāh… man muss ja weltoffen sein!“ In mein verdutztes Schweigen fährt er fort: „Hören Sie mal, Sie haben da eine Baustelle eingerichtet, in #######. Die kann da leider nicht bleiben!“ Aha. Öhm, ich fürchte, da brauche ich mehr Infos, bevor ich zustimmen kann: „Ich bin mir sicher, dass die Baustelle nicht von uns ist, aber erzählen Sie mal, wo ist denn genau das Problem?“ Opi erzählt es mir gern und holt direkt mal ein bisschen aus: „Wissen Sie noch, früher, wie das war? So vor fünfzig Jahren in Berlin? Da lagen immer die Weihnachtsgeschenke neben den Tonnen, wissen Sie? Wo die Schutzleute drauf standen“ Ich versuche freundlich auf mein äähh…sagen wir: „jugendliches“ Alter hinzuweisen und muss kleinlaut eingestehen, dass ich vor 50 Jahren in Berlin nicht auf irgendwelchen Tonnen stand. Er hat direkt einen tollen Tipp: „Wenn Sie auch Weihnachtsgeschenke wollen, dann stellen Sie sich mal auf so eine Tonne und regeln den Verkehr, da an der Baustelle!“ Ich muss ein bisschen lachen und bin von dem Plan ehrlich gesagt noch nicht 100% überzeugt: „Wissen Sie: eigentlich mache ich den Job nicht wegen der Weihnachtsgeschenke, sondern, damit der Verkehr überall schön fließt, aber die Kollegen überprüfen die Verkehrsregelung an der Baustelle noch mal! Danke Ihnen für den freundlichen Hinweis!“ Opi ist nicht begeistert – die Sache mit dem Schutzmann auf der Tonne wäre ihm lieber gewesen – aber er gibt sich zufrieden. Was bleibt ihm auch übrig.

Ich hoffe, euch bleiben bunte Briefe erspart und ihr habt, wie ich, ein freies Wochenende vor euch. Fahrt schön vorsichtig und seid nicht enttäuscht, wenn an der nächsten Baustelle nur eine Ampel und kein winkender Schutzmann auf der Tonne steht.

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