Täter vor Ort

Mal wieder ein länger zurückliegender Einsatz. Ein Nachtdienst im Sommer, es sind Ferien, laue Temperaturen. Wenn der Chef nicht hinguckt krempelt der eine oder andere Kollege heimlich die Uniformärmel hoch. Kann losgehen. Geht auch los: die Leitstelle ruft uns:

„Fahrt mal zügig in die #####straße. Aus Hausnummer ## hört jemand Geräusche aus dem Nachbargarten. Da bricht vermutlich gerade jemand in die Laube ein! Sehen kann der Melder nichts, da ist ne Hecke zwischen. Der wohnt da auch noch nicht lange. Keine Ahnung, was da dran ist.“

Blaulicht an, auf geht’s! Mehrere Streifenwagen kommen aus verschiedenen Richtungen. Als wir eintreffen ist Totenstille. Verdammt! Sind die Täter schon weg? Wir waren in der Nähe und deshalb ziemlich schnell hier. Ich höre und sehe nichts, schon gar nichts Verdächtiges. Oder die hocken hier im Dunkeln irgendwo im Gebüsch. Hohe Hecken und Gartenzäune trennen die einzelnen Grundstücke. Wenn hier jemand flüchtet, dann nicht, ohne mächtig Lärm zu verursachen. Wir umstellen das Gelände und warten auf den Diensthund. Lampen aus, Ohren auf.

„Da! Da rennt einer!“ – Ich höre Schritte. Mindestens zwei Leute rennen auf dem Nachbargrundstück hinter der Hecke weg: „Stehenbleiben! Polizei!“ ich sehe nicht viel, zumindest keine Täter, aber ich höre sie und schreie sie an. Nochmal: „Stehenbleiben!“ Die Kollegen laufen zu mir rüber. Die Schritte sind ganz nah, direkt hinter der Hecke, und laufen in die eine, dann in die andere Richtung. Jagdfieber! Die packen wir uns!

Jetzt ist es wieder still. Na wartet: spätestens der Hund findet euch gleich. Ich laufe noch ein paar Meter bis zur nächsten Ecke, von hier kann ich doch ein bisschen auf das Grundstück gucken. Die Täter müssen da irgendwo hocken. Mit der Taschenlampe leuchte ich über den Zaun. Blöde Funzel, ich seh fast nichts. Doch! Da steht der Flüchtende! Schnaubend. Und wiehernd. Wiehernd?

Habe ich gerade ernsthaft ein Pferd angeschrieen? Boden, tu dich auf.

Als mein Adrenalinschub nachlässt und die Kollegen sich von ihrem Lachanfall erholt haben, schlurfen wir zu unseren Autos zurück. „Aber heeey: es hat auf dich gehört und ist wirklich kurz stehengeblieben! Saubere Arbeit!“ klopft mir der Kollege noch immer prustend auf die Schulter.

Na, danke! Das Lob kann ich gebrauchen…

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