Kleine Jungs – Große Pläne

Die Dame, die rückwärts mit ihrem Kombi gegen die Laterne gefahren ist, hat uns gerade ihre Papiere gegeben. Bevor wir in den Streifenwagen steigen, um die Unfallmitteilungen auszufüllen, werden wir von einer Gruppe kleiner Jungs angesprochen: „Duuuhuuuu…“ – der Bönsel mit dem Schulrucksack ist ein bisschen schüchtern –  „Du, ähm, also. Ich wollte mal wissen, ist Polizei sein eigentlich schwer?“„Nein, eigentlich kinderleicht!“ rutscht mir raus, und während ich überlege, ob ich das eigentlich auch so meine, schiebe ich: „Man muss nur ein bisschen üben!“ hinterher.

Ich mache Papierkram. Der Kollege kommt mit der Unfallfahrerin und den Kindern ins Gespräch. „Wenn ihr in der Schule gut aufpasst könnt ihr später auch Polizisten werden!“ versucht er sich pädagogisch wertvoll, prallt aber ab. „Nää, ich werd keine Polizei! Ich werde lieber Fußballstar. Weil da verdient man ja tausend Euro im Jahr!“ – Den Kollegen scheint er überzeugt zu haben: „Wooow, okay, das ist wirklich viel! Dann eben lieber Fußballprofi!“ Und sein Kumpel? „Ich werd‘ Soldat. Mit Panzerfaust. Das ist noch viiieel cooler!“ Die Jungs ziehen weiter. Zum Glück haben sie noch ein paar Jahre Zeit, sich zu entscheiden.

Und wir Erwachsenen? Wir stehen da, mit unserer Realität, der kaputten Laterne und dem Knöllchen, und ich bin heimlich ein bisschen neidisch auf die kindliche Naivität.

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