Gut geschlafen?!

Heute blicken wir mal zurück auf einen Nachtdienst vor einigen Jahren und drehen eine Runde durch ein Wohngebiet am Stadtrand. Es ist ruhig am Funk.  „Da winkt jemand!“ weist mich der Kollege auf eine Frau hin, die am Gehweg steht. Die Zeitungsausträgerin hält uns an: „Gucken Sie mal, ich hab gerade da vorne die Zeitung eingeworfen. Da steht die Haustür auf. Nicht, dass da was passiert ist. Ich hab mich nicht getraut, zu gucken.“

Wir halten an und sagen der Leitstelle, wo wir aussteigen. Vorsichtig nähern wir uns der Tür. In dem Einfamilienhaus ist es dunkel. Die Tür ist offen, aber nicht beschädigt, und der Schließriegel guckt heraus. Von innen steckt der Schlüssel. „Da hat also jemand von innen abgeschlossen, obwohl die Tür nicht zu war?!“ machen wir uns unsere Gedanken. „Vielleicht ein bisschen verwirrt beim Schlafen gehen.“ Im Haus ist es stockdunkel. Leise und im Licht unserer Taschenlampen schauen wir uns um. Im Erdgeschoss scheint alles okay zu sein. Die Schränke sind zu, die Fenster sind unbeschädigt. Eingebrochen ist hier offenbar niemand. Schauen wir uns mal oben um. Irgendwo müsste ja ein Bewohner sein. Im Bett vermutlich.

Leise geht’s hoch ins Obergeschoss. Bad, Arbeitszimmer – alles unverdächtig. Fehlt noch das Schlafzimmer. Bloß: wie weckt man mit Taschenlampen, mitten in der Nacht und uniformiert einen fremden Menschen in seinem Bett, ohne dass er mindestens einen Herzinfarkt bekommt? Ich bleibe in der Tür stehen, flüstere und lasse mich vom Kollegen anleuchten. „Haallooo, guten Morgen. Nicht erschrecken… die Polizei…“ die ältere Dame im Bett wendet sich auf die andere Seite und liegt jetzt mit dem Rücken zu uns. Na toll. Muss ich wohl lauter flüstern: „Hallooooooooo, pssssst!“ Die Omi ist mindestens 80, trägt ein Nachthemd mit Müsterchen und auf dem Nachtskonsölchen liegen ihre Hörgeräte und ein Toupet. Hm. Auch ein letzter Versuch, vorsichtig auf mich aufmerksam zu machen, scheitert.

Wir entschließen uns, zu gehen. Was haben wir davon, Omi jetzt wachzurütteln? Und was hat Omi davon? Wir entriegeln die Tür und können sie von außen leise ins Schloss ziehen und verschwinden genau so leise, wie wir gekommen sind. Im Briefkasten hinterlassen wir eine kurze Nachricht.

„Sie hatten vergessen, abzuschließen.Falls Sie Fragen haben, melden Sie sich bitte unter #####. Viele Grüße, Ihre Polizei!“

Soweit ich weiß hat sie sich nicht gemeldet, aber eventuell hat sich gefragt, was sie da eigentlich für einen wirren Traum hatte.

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