Prosit Neujahr

Ich hoffe, ihr seid alle sanft gelandet, habt auf sinnlose Vorsätze verzichtet und Bock auf ein taufrisches, unverdorbenes und spannendes Jahr 2015.
Vielleicht verdaut ihr noch am Fondue von gestern Abend. Da soll ja, wenn man Großmutters Hausmittelchen vertraut, ein Schnaps helfen.
Oder ihr hattet den Schnaps schon gestern und es ging euch ähnlich wie dem jungen Deutschrussen, dessen Bekanntschaft wir gegen 03.00 Uhr machen durften. Das war nämlich so:

Der Mann Anfang 40 sitzt rotzevoll auf russisch vor sich hin schimpfend in seiner Küche auf dem Stuhl. Man könnte auch sagen, er hinge quer auf zwei Stühlen. Das träfe es vermutlich besser. Fest im Arm umschlungen hält er eine Pulle Wodka, als kuschele er liebevoll mit einem Stofftier. Zufrieden sieht er aus, solange er nicht einen Rappel kriegt und lallend etwas zu Boden wirft; nicht, um es zu zerstören sondern einfach, weil er es kann. Launisch, wie er ist, hat er einfach Lust, etwas hin zu schmeißen. Gerade hat er erst wie in Zeitlupe einen Becher umgestoßen. Jetzt versucht er, den Kühlschrank zu Boden zu reißen. Ich finde, dass das nicht unbedingt sein muss und schiebe ihn zurück auf seine Stühle. Man muss es ja nicht übertreiben.
Nach kurzer Diskussion stellt sich raus: der Knilch wird bei uns in der Zelle schlafen, sonst kehrt hier erstmal keine Ruhe ein, und wir müssen befürchten, dass er noch mehr Unfug macht als nur Kühlschränke zu schubsen. Wir bequatschen ihn, er fährt mit, merkt aber eh kein bisschen mehr, was gerade Sache ist. Auf Socken dirigieren wir ihn zum Auto. Die Schuhe holen wir noch, so viel Zeit muss sein.

Um ihn abzulenken pflege ich Small-Talk. Fangen wir mal mit dem Naheliegenden an: „Haben Sie denn schön rein gefeiert? Was gab’s denn zu trinken?“ – „Wuuuuoooodgaaa!“ lallt unser Gast fast ein bisschen erschüttert über diese wirklich blöde Frage. Ich hake nach. Die Antwort kenne ich, aber so bleiben wir im Gespräch: „Und sonst nix? Ich dachte vielleicht mal ein Bier…?!“ – „Biiiieer???“ Oha. Jetzt habe ich ihn beinahe gekränkt. „Biiier kanngaaniiix!“ fasst er zusammen, was Generationen von russischen Wodka-Fans nicht präzisier hätten ausdrücken können.

Bloß nicht zu quatschten aufhören, sonst merkt er nur, dass er gleich in der Zelle sitzt. Also: Themawechsel: „Und was gab’s zu essen? Leckeres Essen zu Silvester?!“ – „Wuuuooodga!“ Na gut. Ich gebe auf. Den Rest der Fahrt lallt er uns irgendwas auf russisch vor. Vermutlich geht es um Wodka.

Wenn er wieder nüchtern ist und nach Hause darf, wird seine Frau ihm schon erklären, dass es noch andere Themen gibt, als sein Lieblingsgetränk…

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