Was ihr an Absperrungen wissen solltet

Ihr kennt das, es ist nachmittags um halb fünf, nach einem anstrengenden Tag auf der Arbeit wollt ihr nur noch eins: endlich nach Hause. Die Strecke könntet ihr im Schlaf nehmen, Schlaf wäre jetzt eh nicht verkehrt, aber erstmal müsst ihr ja noch durch den Feierabendverkehr. Heute ist der Stau an der Ampel irgendwie länger als sonst. Oh, da vorne blinkt Blaulicht. Wie nervig. Aber hilft ja alles nichts, da müsst ihr jetzt durch.

Auf der Fahrbahn hat die Polizei fleißig ihre Blinkleuchten und Hütchen verteilt und natürlich genau die Richtung gesperrt, die ihr immer nehmt. Naaaa klasse. Ihr müsst einen Umweg fahren, wenden oder kennt euch vielleicht doch nicht so gut aus. Also haltet ihr am Fahrbahnrand an und fragt freundlich den Kollegen mit der Kelle, wo’s für euch langgehen könnte.

Möglicherweise ist der Kollege aber gerade auch im Gespräch mit einem seiner liebsten Kunden, der trotz Blinklichtern, gesperrten Abbiegespuren und Kelle schwingenden Polizisten erkannt hat, dass all dieser Aufwand für ihn doch wohl nicht gelten kann. Dieser Experte ist natürlich auch nicht langweilig rechts ran gefahren, er hält den sowieso zähen Verkehr auf und bugsiert sein Auto entschlossen zwischen den Hütchen durch, bis er ein mittelgroßes Chaos verursacht hat, denn er hat ein Anliegen. Und wenn nicht zum Durchfahren, wozu sollte da sonst eine zwei Meter breite Lücke zwischen den Hütchen sein?!

Während 98% der Autofahrer also murrend einen Umweg nehmen stellt unser Experte seine Expertenfrage und du wirst eventuell Zeuge einer der Top Fünf der schönsten, pfiffigsten und vor allem natürlich überzeugendsten Fragen und Argumenten, die mir je an Verkehrsabsperrungen vorgetragen wurden. Fragen, die jedes zusätzliche Chaos lohnen und die an keiner Absperrung fehlen dürfen.

5. „Ist hier gesperrt?“ – Der Klassiker 

Eine Frage, die ihr am besten unmittelbar an der Absperrung und in einem derart ungläubigen Tonfall stellen solltet, der vermuten lässt, ihr rechnet wirklich mit einer negativen Antwort. Schön ist, der Kollege wird diese Frage noch nie gehört haben. Ist das nicht ein erhabenes Gefühl, der Erste zu sein?Ihr könntet dazu dann noch euer Auto möglichst so abstellen, dass jetzt wirklich niemand mehr vor und zurück kommt. Je nachdem, ob ihr jetzt der erste, fünfte oder zwanzigste Fahrer seid, der sich erkundigt dürfte sich die Antwort zwischen: „Ja, es hat dort vorne einen Unfall gegeben, fahren Sie doch bitte dort entlang.“ über: „Ja, es ist gesperrt, weiterfahren, bitte!“ bis hin zu: „Nein, das ist keine Absperrung, wie müssen nur alle paar Tage die Hütchen mal auf die Straße stellen um zu sehen, ob sie noch funktionieren!“

4. „Huch! Ist was passiert?“ – Die sorgenvolle Nachfrage

Auch hier bietet sich an, für diese immens wichtige Nachfrage das Auto möglichst so stehen zu lassen, dass es alle Übrigen aufhält. Passend wäre ein rehäugiger Gesichtsausdruck. Ihr habt nur eine Viertelstunde im Stop-and-Go gestanden. Ihr seid überrascht von der Situation, dann schaut doch bitte auch entsprechend aus der Wäsche. Wenn hinter euch gehupt wird habt ihr alles richtig gemacht. Die Antworten orientieren sich stark an denen von Platz fünf.

3.  „Aber ich wohne doch hier!“ – Das schlagende Argument

Gerne auch wahlweise: „Aber ich fahre immer hier lang!“ Hierzu bitte einen recht entschlossenen Gesichtsausdruck aufsetzen, vielleicht ein bisschen sauer im Ton vergreifen und kräftig mit dem Fuß stampfen. Ich bin sicher, die Kollegen räumen sofort die verbeulten Unfallautos weg, stellen die Hütchen beiseite und winken euch mit einem freundlichen: „Verzeihung, dann dürfen Sie selbstredend durch!“ an der Unfallstelle vorbei. Ihr wohnt in dieser Straße, ihr zahlt die Miete, es ist eure Straße. Ihr macht die Regeln Unfall hin – Unfall her. Falls der Kollege der durchaus schlüssigen Argumentation überraschenderweise nicht folgen sollte ist es mit Sicherheit hilfreich ein wissendes: „Aber ich kenne den Bürgermeister!“ nachzuschieben und schwupp, die Straße gehört wieder euch. 

2. „Wenn Sie hier stehen halten Sie den ganzen Verkehr auf!“ – Der heiße Tipp

Ach so! Endlich sagt’s mal Einer! Hätten wir das früher gewusst, wir hätten den Unfall verhindert oder an einer Stelle stattfinden lassen, wo er weniger stört. Wir schleppen dann kurz die Verletzten auf den Gehweg und schon kann der Verkehr wieder fließen. Danke für den Hinweis.

1. „Hier, bitteschön, Ihre Hütchen standen im Weg!“ – Der arbeitende Kunde

Dieser Spruch eignet sich für solche Stellen, an denen die Kollegen verrückterweise dachten, zehn Hütchen und vier Blinkleuchten seien ein ausreichendes Zeichen, dass dieser Fahrstreifen gerade nicht benutzt werden soll. Bitte also direkt rein mit euch in die Spurenlage und diesen Satz den leicht gestressten Beamten vortragen, die gerade Bremsspuren vermessen oder sonst besonders beschäftigt wirken. Obacht, wichtig: Könnt ihr natürlich nur dann bringen, wenn ihr vorher auch unser Absperrmaterial in euren Kofferraum gepackt und mit zur Unfallstelle gebracht habt. Die Fahrzeugschlange hinter euch wird es euch danken und euch rege ins Splitterfeld folgen. Die Kollegen waren sicher sowieso viel zu einsam mit den Autowracks und ihrer öden Arbeit. Endlich kriegt die Sache den gewissen Drive…

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich freue mich ja über mitdenkende Bürger, der hier ging allerdings wirklich ein Nümmerchen zu weit. Habe ich aber (wie alles hier im Blog) exakt so erlebt. Meine Antwort war wortkarg, laut und unmissverständlich und enthielten Satzteile wie „… übrigens nicht zur Dekoration!“ … „…aber ganz zackig!“ und „…kann ich ja wohl nicht fassen!“ 

Der rüstige Rentner hat die Hütchen dann wortlos wieder an ihren Platz gestellt. Immerhin.

So, ihr wisst jetzt was zu tun ist: Die nächste Absperrung kommt bestimmt. Toi-toi-toi und berichtet doch mal, welche Variante ihr beobachtet oder sogar selbst ausprobiert habt… und wie teuer die Strafe war, falls der Kollege warum auch immer anderer Meinung war als ihr.

Als nächstes kommen vielleicht dann mal die Top-Ausreden für diverse Verkehrsverstöße. Da gibt es ein weites Feld zu beackern.

Ein Gedanke zu “Was ihr an Absperrungen wissen solltet

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