Bemerkenswert

Willkommen!

Schön, dass du da bist – Komm, wir gehen auf Streife!

Wie im echten Streifenwagen auch würde ich mich freuen, wenn wir über meine Begegnungen mit Menschen ins Gespräch kämen. Du kannst (auch gern anonym) überall Beiträge kommentieren oder mit anderen teilen. Es wäre mir ein Fest!


Alle Beiträge, die ich 2013 verfasst habe, findest du auf meinem alten Blog. Hier entlang, bitte.

Affen?

Mal wieder ist ein Nachtdienst zu Ende. Eine angenehme Nacht war das. Sommerliches Wetter, wenige Einsätze – vor allem wenig zu schreiben –  durchweg freundliche Bürger und nette Kollegen auf dem Auto. Auf dem Heimweg setzt neben der Müdigkeit auch noch der Frühstückshunger ein. Was liegt also näher als ein kurzer Stopp bei meinem Stammfrühstücksimbiss. Mir ist ein Rätsel, wie die Betreiberin es jeden Morgen schafft, um 04 Uhr mit frischen Brötchen im Kofferraum den Laden aufzuschließen. Ich ziehe sowieso meinen Hut vor den Menschen, die den Mut besitzen, sich mit einem kleinen Geschäft selbstständig zu machen. Das Ganze auch noch zu solchen unfassbaren Uhrzeiten. Ich könnte das nicht.

Kurz vor 6 parke ich vor dem kleinen Laden und latsche in ausgebuffter Jogginghose schon im Halbschlaf an die Theke. „Ein Spiegeleibrötchen bitte!“ – „Also wie immer!“ lacht die freundliche Verkäuferin und greift in die Auslage: „Wir haben uns ja lange nicht gesehen. Hatten Sie Nachtschicht?“ Ich bejahe. „Affen?“ weiterlesen

Im Hintergrund

Unser Beruf hat viele Facetten. Einige davon habe ich in den letzten Jahren hier vorzustellen versucht. Oft ist es stressig, ab und zu spannend und manchmal auch gefährlich. Meistens geht es um das ganz normale Leben, manchmal um den Tod. Mir macht es nach wie vor Spaß, sich all dem zu stellen. Ich mag die Unwägbarkeiten und möchte nicht mit einem reinen Schreibtischjob tauschen.

In der letzten Spätdienstwoche zum Beispiel habe ich einigen Falschparkern Geld aus der Tasche gezogen, Unfälle aufgenommen, Drogen sichergestellt, war beim Schießtraining und habe reichlich Papierkram erledigt. Rein statistisch ist wahrscheinlich auch die kommende Woche ähnlich unspektakulär. Vielleicht fangen wir Straftäter, vielleicht rufen Menschen an und stellen seltsame Fragen, vielleicht weisen wir Verwirrte in die Psychiatrie ein und schicken Besoffene Kneipengäste nach Hause. Mit etwas Pech müssen wir sie dazu zwingen, sie zu Boden bringen oder sonst wie Hand anlegen.

Ich habe in dieser Woche auch einer Mutter mitgeteilt, dass ihr Mitte 30jähriger Sohn sich totgesoffen hat. „Im Hintergrund“ weiterlesen

Rummel

Die Kirmes ist im Dorf.

Zu den ganz normal Einsätzen, die uns Tag für Tag beschäftigen, gesellen sich diese Woche auch noch ein paar Exoten. So meldete am Tag des großen Kirmes-Umzuges zum Beispiel ein Kollege über Funk, dass gegenüber des Supermarktes gerade eine Ritterburg gegen ein geparktes Auto gefahren sei. Ritter kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.  „Rummel“ weiterlesen

Devon

„Och nööö!“ entfährt es dem Kollegen, als er im Supermarkt die Tür zum Detektivbüro aufstößt. Drinnen sitzt, mit gesenktem Blondschopf verstohlen an seiner Bauchtasche herum knibbelnd, Devon. „Devon“ weiterlesen

Vermisst

„Der Wanderweg hinterm Windrad ist ebenfalls negativ. Wir machen erstmal weiter im Rahmen der Streife!“ quäkt es aus dem Funk. Der Kollege und ich schaue einander ratlos an. „Wo der wohl ist?“ frage ich halblaut. „Hm. Keine Ahnung!“  Wir dümpeln durch unseren Fahndungsbereich und überlegen. Jeden Dienstag (und deshalb auch heute) geht Opi also lange spazieren. Er stellt den Mercedes auf eine Anhöhe ab, oder hinter dem Windrad, und latscht los. Die immer gleiche Runde. Ihr Mann brauche die Ruhe der Natur, sagt die Ehefrau. „Das hat er schon immer gemacht! Er ist einfach gerne alleine unterwegs. Vielleicht ist das das Geheimnis von 60 Jahren glücklicher Ehe!“ Jetzt ist er seit Stunden überfällig. Arme Omi. Auf dem Foto, das sie uns mitgegeben hat, lachen beide glücklich in die Kamera. Und jetzt ist Opi wie vom Erdboden verschluckt? Kann doch nicht wahr sein.  „Vermisst“ weiterlesen

Sommer im Park

Der Sommer ist da. Die Kollegin stellt den Streifenwagen im Schatten eines Baumes ab, bevor wir in den Park latschen. Auf der frisch gemähten Wiese sitzen viele kleine Gruppen von grillenden und schlemmenden Menschen in der Sonne. Überall spielen Kinder.

Ein Anwohner hat uns gerufen. Er befürchtet, dass die Menschen am Ende des Tages einfach ihren Abfall hinterlassen. In den letzten Tagen muss die Rasenfläche schon einer Müllkippe geglichen haben. Die Mülleimer sind der Menge an Parkbesuchern ganz offensichtlich auch nicht gewachsen. Einige der Familien sollen ihre Buffets auf den Tischtennisplatten ausgebreitet haben. Der Anrufer erwartet wohl, dass wir den Park räumen. Mindestens. Immerhin bestünde ja die theoretische Möglichkeit, dass eine Horde ambitionierter Tischtennisspieler gerade jetzt hier ihr Trainingslager einzurichten gedenkt und der Gewinn der nächsten Parktischtennismeisterschaft nun durch eine Gruppe schlemmender Parkbesucher vereitelt wird. Nicht auszudenken.

Wir sprechen die erste Familie an. Das klapprige Grillgestell hat Mühe, die Mengen an Fleisch und Gemüse für allemann zu tragen. Aber irgendwie scheint es zu passen und riecht noch dazu wirklich fantastisch. Neugierig erkundige ich mich, was denn da auf dem Rost liege. Hier wird syrisch gegrillt, erfahre ich, und sofort hält der Bratmaxe mir einen Teller mit Hühnchen hin. Zum Glück habe ich gerade keinen Hunger, sonst könnte ich der Einladung, etwas zu probieren, nicht widerstehen.

Inzwischen umringt uns eine wird durcheinander plappernde Horde Kinder. Ohne jede Berührungsangst zupfen sie an der Uniform und wollen die Ausrüstung an unserem Gürtel ausprobieren. Auf unserer Fußstreife von Picknickdecke zu Picknickdecke darf also jeder mal die Handschellen, Taschenlampe und Einmalhandschuhe aus der Nähe angucken, und während die Kollegin eine kleine Vorführung von Blocktechniken mit dem Schlagstock gibt, erkläre ich der nächsten Grillrunde unser Anliegen. Ich war jetzt bei Syrern, Irakern, Afghanen und einer türkischstämmigen Familie. Multikulti auf der grünen Wiese. Überall wird mir angeboten,  etwas zu probieren. Jeder ist stolz auf seine Heimatküche und was da an Geflügel,  Teigfladen, Hummus und Soßen auf den Tellern liegt, sieht wirklich verlockend aus. Heute scheinen hier größtenteils vernünftige Menschen zu sitzen. Die meisten haben große Mülltüten dabei und trotz ein paar herumliegender Pappbecher und einer davonfliegenden Chipstüte kann ich wirklich nicht erkennen, dass hier gerade der Park den Bach runter ginge. Ich schicke die Kiddies zum Becher Einsammeln und hoffe, dass jeder heute Abend seinen Kram mit nach Hause nimmt.

Langsam müssen wir allerdings wirklich mal weiter. Aber bevor wir zurück zum Streifenwagen schlendern, überprüfen wir dann doch lieber noch mal, ob wir alle unsere Handfesseln, Handschuhe und Taschenlampen wiederbekommen haben, die unsere Mini-Kollegen gerade so spannend fanden. Vollständig ausgerüstet und gut gelaunt beenden wir unsere Fußstreife.

Nur dem Wunsch unseres Anrufers konnten wir nicht entsprechen. Wer neben einem Park mit Grillplätzen wohnt, der muss Grillgeruch aushalten. Und wenn die Parkbesucher die Tischtennisplatten zum Abstellen ihres Grillgutes nutzen, dann halte ich auch das für vertretbar. Vermutlich hätten sie unseren Anrufer sogar mal probieren lassen und ihm die Vorzüge ihrer Heimatküchen erklärt.

Solange er allerdings die Polizei ruft, wenn einer sein Fladenbrot auf die Tischtennisplatte legt, und solange er sich von auf Grillplätzen grillenden Menschen beschwert, so lange wird das wohl nix.

Schade.

Abschalten

Ich gebe zu, ich blogge wenig in den letzten Wochen, und zwar aus gutem Grund. Ich habe Urlaub. Die Uniform baumelt gelangweilt im Spind. Ans Telefon müssen andere gehen und sich anhören, dass Nachbar X Nachbarn Y beinahe zugeparkt hätte oder Mieterin A in der Mülltonne von Rentnerin B ihr Katzenstreu entsorgt. „Abschalten“ weiterlesen